Geschichte der kubanischen Manufakturen

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S. auch Historisches

Inhaltsverzeichnis

Detaillierte Geschichte einzelner Manufakturen


Ursprung

Havanna, die Hauptstadt Kubas, ist die Wiege der berühmten Habanos. Denn obwohl der Tabak von den besten Vegas Kubas kommt, werden und wurden die besten Zigarren der Welt schon immer im Herzen der Stadt Havanna hergestellt. Im Jahre 1519 gegründet, ist Havanna seit 1607 die Hauptstadt des Landes.

Havanna befand sich Jahrhunderte lang unter spanischer Kolonialherrschaft. Das Tabakmonopol hielt die spanische „Real Factoría“, eine Gesellschaft, welche die gesamte Tabakproduktion in Kuba bis hin zum Export nach Spanien steuerte und überwachte, fest in den Händen. Schnupftabak und Kautabak waren gefragt in Europa und der restlichen Welt. Zigarren spielten keine so bedeutende Rolle; sie wurden nur in geringer, streng limitierter Zahl hergestellt. Anders aber als in Europa zur damaligen Zeit üblich, war auf Kuba die Zigarre oder der Tabakwickel, der geraucht wurde, die ursprüngliche Form des Tabakgenusses. Schon Columbus stiess bei seiner Entdeckung des amerikanischen Festlandes und Kubas auf Horden Eingeborener, die sich einen Tabakwickel in den Mund steckten und rauchten (s. Historisches).

Havanna unter britischer Herrschaft

Als Spanien 1762 in den Siebenjährigen Krieg zwischen Grossbritannien und Frankreich verwickelt wurde, eroberten die Briten Havanna und behielten die Stadt elf Monate in ihrem Besitz. Während der Zeit der britischen Besetzung wurde die Macht der „Real Factoría“ nachhaltig geschwächt.

Diese zwar kurze Unterbrechung des Einflusses Spaniens war der Beginn der Auflösung des spanischen Monopols im Tabakhandel. Denn in dieser Zeit des Freihandels und der freien Wirtschaft gewannen die kreolischen Bürger auf Kuba eine Vorstellung davon, wie viel sie ohne die kolonialen Fesseln Spaniens verdienen konnten. Denn das spanische Kolonialsystem kontrollierte nicht nur die Produktion von Gütern, sondern lenkte auch den gesamten Handel über spanische Häfen und erhob sogar für den Handel der spanischen Kolonien untereinander hohe Import- und Exportabgaben.

Während der kurzen britischen Besatzungszeit war es plötzlich jedem erlaubt, Zigarren herzustellen. Diese wurden in so genannten „Chinchales“ gerollt. Als „Chinchales“ bezeichnete man kleine Zigarrenmanufakturen. Es handelte sich meist um Familienbetriebe, die sich in Wohnhäusern befanden und in denen zu Beginn meist nicht mehr als ein oder zwei Roller arbeiteten.

Diese „Chinchales“ schossen wie Pilze aus dem Boden. Man produzierte zunächst nur für den heimischen Bedarf. Es dauerte allerdings nicht lange, bis die Produktion gesteigert wurde. Die Besitzer der „Chinchales“ begannen, mit Tabakimporteuren aus Grossbritannien, Deutschland, Nordamerika und anderen Ländern zu kooperieren. Das führte zu einem regelrechten Zigarren–Boom. Diese Phase dauerte allerdings zunächst nicht sehr lang. Ein knappes Jahr, elf Monate, später wurde Kuba im „Frieden zu Paris” im Tausch gegen Florida wieder Spanien zugeschlagen.

Zurück unter spanische Kontrolle

Nachdem Spanien seine Kontrolle über Kuba zurückgewonnen hatte, erstarkte auch die „Real Factoría“ beinahe wieder zu alter Macht. Allerdings war inzwischen die Nachfrage nach Zigarren enorm gestiegen. Die „Real Factoría“ legte daraufhin ein Limit fest, in welcher Menge Tabak zur Herstellung von Zigarren verwendet werden durfte. Die „Real Factoría“ versuchte noch eine Zeit lang, die Herstellung grösserer Mengen an Zigarren zu unterbinden, da der Absatz von Schnupf- und Kautabak durch den Zigarrenkonsum nicht beeinträchtigt werden sollte.

Aber die Entwicklung liess sich nicht aufhalten. Die Nachfrage nach Zigarren stieg immer weiter. Die „Real Factoría“ errichtete selbst eine grosse Zigarrenfabrik. Als königliche Einrichtung rekrutierte sie ihre Arbeitskräfte über die Wohlfahrt. Dort gab es eine Menge weisser Frauen, die bereit waren, für wenig Geld viel zu arbeiten. Die verbleibenden Stellen wurden mit weiblichen Sklaven besetzt.

Ab 1799 blühte die Zigarrenproduktion. Zu Beginn gehörte der „Real Factoría“ nur eine einzige Fabrik, im Jahre 1802 errichtete man eine weitere Manufaktur. Mehr als 100.000 Kilogramm Tabak wurden damals verarbeitet, alle Zigarren exportierte man nach Spanien.

Die Zigarrenproduktion in den kleinen „Chinchales“ lief unterdessen ununterbrochen weiter. Die „Real Factoría“ sah darüber aus verschiedenen Gründen grosszügig hinweg. Nicht wenige Angestellte der „Real Factoría“ unterhielten nebenher ein eigenes „Chinchal“ als Nebenerwerb. Die „Real Factoría“ war ausserdem nicht in der Lage, den gesamten von den Vegueros (Tabakpflanzern) produzierten Tabak aufzukaufen. Und nicht alle Zigarren konnten auf dem spanischen Markt abgesetzt werden.

Man muss sicherlich in diesem Zusammenhang einen Blick nach Europa werfen: seit 1792 etwa herrschte Krieg in Europa, um den Einfluss der französischen Revolution und Napoleon Bonaparte zurückzudrängen. Da Spanien durch verschiedene ungünstige Umstände in den Krieg involviert war, schränkte das natürlich auch die Handelsbeziehungen ein.

Die „Chinchales“ florierten. Und es gab erste Bestrebungen, Zigarrenmarken einzuführen. Don Francisco Cabañas gehörte im Jahre 1810 mit zu den ersten, die eine eigene Marke registrieren liessen, eine absolute Novität. Neben ihm unterhielt auch der Katalonier Bernadino Rencurrel ein einträgliches Geschäft auf der Calle Cuna No.10 in Havanna. Auch er liess sich eine Marke unter seinem Namen registrieren. Wahrscheinlich war er der erste, der dies tat, ganz sicher ist es aber nicht. Die ersten Adressen auch heute noch berühmter Zigarrenmarken waren teilweise Chinchales: auf der Calle San Miguel beispielsweise stehen die „Wiegen“ der Marken H. Upmann, Por Larrañaga und Partagás (Foto links). Auf der Calle Zanja No. 62 wurden die ersten Zigarren der Marke Ramón Allones hergestellt.

Die Chinchales entwickelten sich zu einer bedeutenden Kleinindustrie und zu einer Konkurrenz für die „Real Factoría“. Denn nicht nur die Lieferanten waren vom Angebot der „Chinchales“ beeindruckt, auch viele Beschäftigte der „Real Factoría“ schauten nach den wesentlich besseren Löhnen, die in den „Chinchales“ gezahlt wurden.

Don Francisco de Arango y Parreno , eine angesehene Persönlichkeit in Kuba zu dieser Zeit und ausserdem Berater der „Real Factoría“, brachte diese Zustände in seinem Report 1812 auf den Punkt. Noch dazu sprach er sich für eine Reihe von Reformen aus, darunter der Auflösung der „Real Factoría“ und damit des spanischen Tabakmonopols.

Das Ende der „Real Factoría“

Von 1808 bis 1814 befand sich Spanien unter französischer Herrschaft. Nachdem Ferdinand VII. von Spanien 1814 wieder an die Macht kam, konzentrierte er sich vor allem auf die Zustände in den Kolonien. Unter seiner Führung wurde im Jahre 1817 das spanische Tabakmonopol in Kuba tatsächlich aufgelöst. Der König betonte in seiner Verordnung, dass nur ein freier Handel zwischen Europäern, Amerikanern und Spaniern die Entwicklung aller fördern könnte. Ihm lag ausserdem daran, den Anbau und die Kultivierung des vorzüglichen Tabaks auf Kuba zu fördern.

Durch die völlige Auflösung der „Real Factoría“ standen von nun an alle Möglichkeiten für einen raschen Aufschwung der Zigarrenindustrie offen. Ein unglaublicher Boom folgte. Von überall her strömten Unternehmer, die in der Zigarrenindustrie ihr Glück versuchen wollten und von den wundervollen Habanos gehört hatten. Die Nachfrage war riesig.

Bereits zu dieser Zeit war die Habano zu einem Statussymbol überall auf der Welt geworden. Im Jahre 1840 existierten in Havanna 306 Zigarrenmanufakturen. Im Jahre 1855 erreichte die Zahl der exportierten Zigarren die astronomische Zahl von 356,5 Millionen Stück.

Blütezeit und Verwendung lithographischer Drucke

Aufgrund der grossen Nachfrage nach Habanos und der überaus grossen Beliebtheit auf dem internationalen Markt tauchten schon nach kurzer Zeit eine Unmenge an Fälschungen auf (s. auch Clear Havana). Man brauchte also eine Möglichkeit, echte Habanos zu kennzeichnen.

Der in Havanna lebende Spanier Ramon Allones war 1845 der erste, der seine Habanos in 25er Kisten packte (s. Zigarrenverpackungen) und diese Kisten mit einer Abbildung versehen liess, die den Kunden über sein Produkt und dessen Herkunft informierten. Er benutzte dafür lithographische Drucke.

Lithographie Ramon Allones.jpg

Bildquelle: 5THAVENUE Products Trading GmbH

Bei lithographischen Drucken handelt es sich um Abbildungen, die im Steindruckverfahren hergestellt werden. Das Steindruckverfahren, Lithographie genannt, war damals noch ein sehr junges Verfahren, das erst im Jahre 1798 entdeckt worden war. Es eignete sich aber sehr gut zur Vervielfältigung von Schrift und Bild. Mithilfe verschiedenster Materialien wird auf einen Stein eine Abbildung aufgebracht. Diese presst man dann mittels grossen Druckes auf ein Papier. In vielen Bereichen, vor allem zur bildhaften Darstellung, setzte sich dieses Verfahren durch.

Man muss vor allem bedenken, dass damals die Fotografie beispielsweise im Alltag noch nicht Einzug gehalten hatte. Bereits seit Anfang des Jahrhunderts, genauer seit 1822, existierte in Havanna eine Werkstatt für lithographische Drucke. Deren Zahl wuchs in den folgenden Jahren.

Schon nach relativ kurzer Zeit wurden diese einfachen Abbildungen durch Chromolithographien, das heisst farbige Abbildungen ersetzt. Diese sehr aufwändigen, meist mit Gold verzierten Darstellungen sind wahre Kunstwerke. Durch diese hochwertige Form der Präsentation unterstrich man gleichzeitig die Hochwertigkeit des Produktes Habano selbst.

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