Manufaktur La Corona: Unterschied zwischen den Versionen
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Heute nun machen wir, nach der [[Manufaktur_%22El_Laguito%22|letzten Folge]], einen Sprung in der [[Historisches|Cigarrengeschichte Cubas]], der knapp einhundert Jahre umfasst und die Entwicklung dieses Industriezweiges ganz besonders eindrucksvoll widerspiegelt. WĂ€hrend die Calle San Miguel mit ihren kleinen, schmalen HĂ€usern eher bescheiden und unscheinbar wirkte, prĂ€sentiert sich die Manufaktur âLa Coronaâ, auch âPalacio de Hierroâ, Eisenpalast genannt, als ein Monument cubanischer Cigarrengeschichte. | |||
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Werfen wir einen Blick zurĂŒck. Anfang des 19. Jahrhunderts begann sich die Cigarrenindustrie in Havanna langsam zu entwickeln. Es gab eine groĂe Nachfrage nach Cigarren, die erst von wenigen Markeninhabern in kleinen ProduktionsstĂ€tten erfĂŒllt wurde. Die Nachfrage stieg allerdings so rasant, dass schon nach wenigen Jahrzehnten groĂe, prĂ€chtige CigarrenpalĂ€ste entstanden, in denen die [[Zigarrenfertigung|Cigarren gerollt]] wurden. GroĂe, auch heute noch bekannte Marken wie zum Beispiel [[H. Upmann]], [[PartagĂĄs]] oder [[Fonseca]] erlebten ihre ersten BlĂŒtezeiten. Doch der [[Historisches#Kubas_Kampf_um_Unabh.C3.A4ngigkeit|UnabhĂ€ngigkeitskrieg]] in Cuba erschwerte die Lage immens. Er dauerte, mit Unterbrechungen, beinahe drei Jahrzehnte und endete 1905 mit der GrĂŒndung der Republik Cuba. Zu diesem Zeitpunkt war ein GroĂteil derjenigen, die in der Cigarrenproduktion tĂ€tig waren, bereits ausgewandert. | |||
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Doch da von unruhigen Zeiten und Kriegen auch immer jemand profitiert, verwundert es nicht, dass in dieser Zeit erst britische, dann auch amerikanische Investoren Fabriken und [[kubanischer_Tabak|Tabakplantagen]] aufkauften. Diese schlossen sich spĂ€ter zu einem Konsortium zusammen, das unter dem Namen âAmerican Trustâ in die Geschichte eingegangen ist. Das Konsortium besaĂ einerseits direkten Zugang zum Rohmaterial, konnte andererseits aber auch als Markenbesitzer Cigarren herstellen und vermarkten. Der American Trust konzentrierte ab 1903 mehr als die HĂ€lfte der damals existierenden Habanos-Marken in seiner Hand. | |||
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Anfang des 20. Jahrhunderts nun sollte die EffektivitĂ€t bei der Herstellung der Cigarren dadurch gesteigert werden, dass man, anstatt in vielen kleinen Fabriken zu produzieren, eine groĂe Fabrik bauen lieĂ, in der noch besser gearbeitet werden konnte. Durch den Abriss der Stadtmauer Havannas standen immer noch groĂe FlĂ€chen zur Bebauung zur VerfĂŒgung. So auch das GrundstĂŒck, das heute von der Calle Agramonte (frĂŒher Calle Zulueta), der Calle Colon, der Calle Refugio und der Calle Morro begrenzt wird und einen gesamten Block einnimmt. Hier errichtete der âAmerican Trustâ die Fabrik âLa Coronaâ, benannt nach einer der bedeutendsten Marken damals. 1904 konnte sie fertiggestellt werden. | |||
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Direkt daneben befindet sich heute das âMuseo de la Revoluccionâ, das im ehemaligen âPalacio de Presidencialâ, dem PrĂ€sidentenpalast, untergebracht ist. Dieser wurde allerdings erst spĂ€ter, im Jahre 1920, erbaut. Es handelte sich bei dem GebĂ€ude der La Corona-Manufaktur um die damals erste Stahlkonstruktion auf Cuba. Sie ist unter dem Namen âPalacio de Hierroâ oder âIron-Palaceâ, Eisen-Palast, bekannt geworden. Eine New Yorker Konstruktionsfirma errichtete das beeindruckende GebĂ€ude fĂŒr einen Preis von einer Million Pesos. Die Produktion eines GroĂteils der Cigarren, die vom âAmerican Trustâ angeboten wurden, fertigte man fortan in dieser Fabrik. | |||
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Bis 2003 wurden in der Manufaktur âLa Coronaâ Cigarren hergestellt. 900 Arbeiter waren am Ende dort beschĂ€ftigt, davon 420 [[Torcedores]]. Sie fertigten Cigarren der Marken [[Cohiba]], [[Montecristo]], [[Romeo y Julieta]], [[PartagĂĄs]], [[Cuaba]], [[Hoyo de Monterrey]] sowie sĂ€mtliche [[San Cristobal]]-Formate. 8 Millionen StĂŒck Cigarren verlieĂen am Ende jĂ€hrlich die Fabrik. Doch das GebĂ€ude ist inzwischen in so schlechtem Zustand, dass die Produktion in eine neue Fabrik, hinter der berĂŒhmten Plaza de la RevoluciĂłn gelegen, ausgelagert wurde. | |||
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Das alte GebĂ€ude ist riesig, selbst aus gröĂerer Entfernung wirkt es beeindruckend. Geht man nicht allzu nah ran, fallen die tiefen Risse in den Mauern nicht weiter auf. Tritt man jedoch nĂ€her, sieht man ĂŒberall die Spuren des Verfalls. Kaum eines der Fenster in den oberen Stockwerken ist noch ganz. Auch die SĂ€ulen, die das GebĂ€ude rundherum sĂ€umen, können die Last nicht tragen. Was in Zukunft mit diesem GebĂ€ude passiert, steht nicht fest. PlĂ€ne zur Sanierung existieren sicher, fraglich ist nur, ob die Sanierung eines GebĂ€udes derartiger GröĂe finanzierbar ist. | |||
Aktuelle Version vom 21. Oktober 2009, 07:48 Uhr
S. auch Geschichte der kubanischen Manufakturen, Historisches
Die Textvorlage stammt aus dem Cigar Journal von 5THAVENUE Products Trading GmbH, Ausgabe 40, Oktober 2009.
Bildquelle: 5THAVENUE Products Trading GmbH
Heute nun machen wir, nach der letzten Folge, einen Sprung in der Cigarrengeschichte Cubas, der knapp einhundert Jahre umfasst und die Entwicklung dieses Industriezweiges ganz besonders eindrucksvoll widerspiegelt. WĂ€hrend die Calle San Miguel mit ihren kleinen, schmalen HĂ€usern eher bescheiden und unscheinbar wirkte, prĂ€sentiert sich die Manufaktur âLa Coronaâ, auch âPalacio de Hierroâ, Eisenpalast genannt, als ein Monument cubanischer Cigarrengeschichte.
Werfen wir einen Blick zurĂŒck. Anfang des 19. Jahrhunderts begann sich die Cigarrenindustrie in Havanna langsam zu entwickeln. Es gab eine groĂe Nachfrage nach Cigarren, die erst von wenigen Markeninhabern in kleinen ProduktionsstĂ€tten erfĂŒllt wurde. Die Nachfrage stieg allerdings so rasant, dass schon nach wenigen Jahrzehnten groĂe, prĂ€chtige CigarrenpalĂ€ste entstanden, in denen die Cigarren gerollt wurden. GroĂe, auch heute noch bekannte Marken wie zum Beispiel H. Upmann, PartagĂĄs oder Fonseca erlebten ihre ersten BlĂŒtezeiten. Doch der UnabhĂ€ngigkeitskrieg in Cuba erschwerte die Lage immens. Er dauerte, mit Unterbrechungen, beinahe drei Jahrzehnte und endete 1905 mit der GrĂŒndung der Republik Cuba. Zu diesem Zeitpunkt war ein GroĂteil derjenigen, die in der Cigarrenproduktion tĂ€tig waren, bereits ausgewandert.
Doch da von unruhigen Zeiten und Kriegen auch immer jemand profitiert, verwundert es nicht, dass in dieser Zeit erst britische, dann auch amerikanische Investoren Fabriken und Tabakplantagen aufkauften. Diese schlossen sich spĂ€ter zu einem Konsortium zusammen, das unter dem Namen âAmerican Trustâ in die Geschichte eingegangen ist. Das Konsortium besaĂ einerseits direkten Zugang zum Rohmaterial, konnte andererseits aber auch als Markenbesitzer Cigarren herstellen und vermarkten. Der American Trust konzentrierte ab 1903 mehr als die HĂ€lfte der damals existierenden Habanos-Marken in seiner Hand.
Anfang des 20. Jahrhunderts nun sollte die EffektivitĂ€t bei der Herstellung der Cigarren dadurch gesteigert werden, dass man, anstatt in vielen kleinen Fabriken zu produzieren, eine groĂe Fabrik bauen lieĂ, in der noch besser gearbeitet werden konnte. Durch den Abriss der Stadtmauer Havannas standen immer noch groĂe FlĂ€chen zur Bebauung zur VerfĂŒgung. So auch das GrundstĂŒck, das heute von der Calle Agramonte (frĂŒher Calle Zulueta), der Calle Colon, der Calle Refugio und der Calle Morro begrenzt wird und einen gesamten Block einnimmt. Hier errichtete der âAmerican Trustâ die Fabrik âLa Coronaâ, benannt nach einer der bedeutendsten Marken damals. 1904 konnte sie fertiggestellt werden.
Direkt daneben befindet sich heute das âMuseo de la Revoluccionâ, das im ehemaligen âPalacio de Presidencialâ, dem PrĂ€sidentenpalast, untergebracht ist. Dieser wurde allerdings erst spĂ€ter, im Jahre 1920, erbaut. Es handelte sich bei dem GebĂ€ude der La Corona-Manufaktur um die damals erste Stahlkonstruktion auf Cuba. Sie ist unter dem Namen âPalacio de Hierroâ oder âIron-Palaceâ, Eisen-Palast, bekannt geworden. Eine New Yorker Konstruktionsfirma errichtete das beeindruckende GebĂ€ude fĂŒr einen Preis von einer Million Pesos. Die Produktion eines GroĂteils der Cigarren, die vom âAmerican Trustâ angeboten wurden, fertigte man fortan in dieser Fabrik.
Bis 2003 wurden in der Manufaktur âLa Coronaâ Cigarren hergestellt. 900 Arbeiter waren am Ende dort beschĂ€ftigt, davon 420 Torcedores. Sie fertigten Cigarren der Marken Cohiba, Montecristo, Romeo y Julieta, PartagĂĄs, Cuaba, Hoyo de Monterrey sowie sĂ€mtliche San Cristobal-Formate. 8 Millionen StĂŒck Cigarren verlieĂen am Ende jĂ€hrlich die Fabrik. Doch das GebĂ€ude ist inzwischen in so schlechtem Zustand, dass die Produktion in eine neue Fabrik, hinter der berĂŒhmten Plaza de la RevoluciĂłn gelegen, ausgelagert wurde.
Das alte GebĂ€ude ist riesig, selbst aus gröĂerer Entfernung wirkt es beeindruckend. Geht man nicht allzu nah ran, fallen die tiefen Risse in den Mauern nicht weiter auf. Tritt man jedoch nĂ€her, sieht man ĂŒberall die Spuren des Verfalls. Kaum eines der Fenster in den oberen Stockwerken ist noch ganz. Auch die SĂ€ulen, die das GebĂ€ude rundherum sĂ€umen, können die Last nicht tragen. Was in Zukunft mit diesem GebĂ€ude passiert, steht nicht fest. PlĂ€ne zur Sanierung existieren sicher, fraglich ist nur, ob die Sanierung eines GebĂ€udes derartiger GröĂe finanzierbar ist.
