Toscano

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Die Marke

Nix Nudeln. Spaghettiwestern wurden eindeutig von Cigarren dominiert. Man konnte Lunten damit anzünden, Geständnisse erpressen, sein hämisches Grinsen unterstreichen oder sie aus dem Mundwinkel fallen lassen, wenn man gerade erschossen worden war.

In einem dieser Filme kaut Bud Spencer auf etwas herum, das wie ein in die Länge gestreckter halbierter Hundeköttel aussieht. Oder wie eine jahrelang hinterm Schrank verschollene Minisalami. Das kann es aber nicht sein, denn das Etwas qualmt. Somit muß es sich um eine Toscano handeln.

Toscano - man nennt sie auch die Drei-Männer-Cigarre: einer raucht sie, die beiden anderen halten ihn fest.

In der Tat, es handelt es sich bei den Toscani (so der Plural) um sehr ungewöhnliche Cigarren, die nicht jedermanns Geschmack sind, andererseits aber auch einen großen Kreis von Liebhabern besitzen. Das war schon im Wilden Westen so.

Toscono zigarre.jpg

Bildquelle: The Cigar Blog

Die TOSCANO ist eine schlanke, rustikal wirkende Kentucky-Cigarre mit sehr kräftigem, würzigem Aroma. Daher wird sie gerade von ambitionierten Aficionados sehr geschätzt. In Italien haben TOSCANI eine Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurück geht. Auch heute findet man sie dort in jedem Tabakladen. Sie sind fester Bestandteil der italienischen Lebensart, und passen natürlich hervorragend zu Wein oder Espresso.

Bei fast jeder großen Entdeckung der Menschheit spielte ein Unfall, ein Versehen oder eine Tolpatschigkeit die entscheidende Rolle, also auch bei der Entstehung der TOSCANO. So soll Anfang des 19. Jahrhunderts eine florentinische Manufaktur für Pfeifen- und Schnupftabak durch ein Mißgeschick hinter die Rezeptur gekommen sein. Der Regen eines Sommergewitters soll den dort im Innenhof gelagerten Kentucky Tabak durchnäßt haben. Die Hitze des Sommers, mit der in Florenz nicht zu spaßen ist, hatte offensichtlich daraufhin Ammoniak-Gärungsprozesse in Gang gesetzt. Der Inhaber der Fabrik beschloß, als guter Geschäftsmann nie um eine Idee verlegen, seinen Schaden so gering wie möglich zu halten, den "verdorbenen" Tabak nicht wegzuwerfen, sondern ihn als Füllstoff für Cigarren zu benutzen. Diese sollten dem Volke zu einem günstigeren Preis angeboten werden.

Mit dem Inneren aus derart fermentiertem Kentucky Tabak und nur mit einem Deckblatt aus natürlichem Kentucky (das Umblatt wurde aus Kostengründen weggelassen), wurde diese Cigarre geboren, die aufs wärmste ankam und einzigartig in ihrer Art war. Inoffiziell wurde sie vom Volksmund sehr bald als TOSCANO bezeichnet. Der Hersteller rieb sich die Hände, dankte der Madonna, beschloß sogleich, die Gunst des Volkes zu nutzen und errichtete eine große Fabrikationsstätte für den neuen Cigarren-Typ.

Fast alles ist bei den Toscani anders als bei anderen Cigarren, und hier sei vor allem das etwas merkwürdig anmutende Ritual des Halbierens genannt: der Raucher teilt nämlich vor dem Anzünden eine Toscano in der Mitte durch, sei es, dass er sie bricht, sei es, dass er sie mit einem Messer oder einer Cigarrenschere in zwei Häften teilt. Vor allem dem Anfänger sei dieser Brauch wärmstens empfohlen, denn bei den Toscani handelt es sich durchweg um sehr starke, aromatische Cigarren, von denen eine ganze den Raucher leicht aus der Kurve tragen kann.

Ebenfalls anders als bei den meisten herkömmlichen Cigarren sind Herstellung und Bestandteile der Toscani: sie bestehen aus stark fermentierten, feuergetrockneten Kentucky-Tabaken. Besonders interessant ist die Fermentationstechnik. Nachdem der Tabak entrippt wurde, wird er in Wasser getaucht und anschließend in speziellen Behältern feucht vergoren. Dabei entwickelt sich der unvergleichliche Geschmack. Je nach Sorte wird bei Fermentation und Reifung etwas variiert. Angebaut wird der Tabak hauptsächlich in der Toskana und in Umbrien. Für die Deckblätter werden besonders gerne original Kentuckies aus den USA verwendet. Es wird kein Umblatt gebraucht. Die Decker werden nämlich mit etwas Maisstärke bestrichen, die den Rauchkanal abdichtet und die Füllung fixiert. Das alles hört sich für einen gewöhnlichen Cigarrenkenner überaus merkwürdig an, wahrscheinlich ist es das auch, aber mit Dogmatik kann man den Toscani nicht kommen.

Es gibt verschiedene Toscano-Varianten und Qualitäten, eine handgefertigte sowie mehrere maschinell gerollte. Für Liebhaber und Puristen werden die TOSCANO ORIGINALE traditionell in reiner Handarbeit gefertigt. Alle anderen Sorten, TOSCANI, GARIBALDI, EXTRA-VECCHI, ANTICO TOSCANO und ANTICA RISERVA (die länger als ein Jahr im Keller lagern, bis sie zum Verkauf freigegeben werden) werden heute maschinell hergestellt, was eigentlich kaum Nachteile mit sich bringt und die Ware für jedermann erschwinglich macht. Denn teuer sind die Toscani allesamt nicht. Fertig halbiert gibt es zudem noch die TOSCANELLI, aber mal im Ernst: wer möchte auf das Ritual des Halbierens verzichten? Damit erregt man in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit als mit einer Cohibabauchbinde. Was manches nette Gespräch ergeben kann.

Zurück zur Herstellung: nachdem die Deckblätter zugeschnitten und mit dem Leim aus Maisstärke benetzt wurden, wird die Füllung darin eingewickelt. Das Format der TOSCANO gleicht dem einer schlanken Figurado, d.h. die Cigarre läuft an beiden Enden spitz zu und ist in der Mitte am dicksten. Das macht das kräftige, schwere Aroma nochmals intensiver. An den spitzen Enden wird sie jetzt auf einheitliche Länge gestutzt. So entstehen die beiden Mundstücke.

Zum Formen der TOSCANO ORIGINALE werden auch heute keinerlei technische Hilfsmittel gebraucht. Diese Cigarren werden also völlig freihändig gerollt und tragen immer etwas die Handschrift der jeweiligen Rollerin. Etwa 550 TOSCANI kann eine Arbeiterin täglich auf diese Weise herstellen. Sieht man sich ihr Werk an, kommen einem gleich Visionen von gichtigen Fingern, die jahrzehntelang Wäsche ausgewrungen haben. Bestimmt ein Vorurteil.

Da sich die Blätter nur im feuchten Zustand verarbeiten lassen, werden die fertigen Zigarren erst getrocknet, bevor sie im Keller zur Reifung eingelagert werden. Zwischen vier und zwölf Monaten warten sie dort auf ihre Vollendung. Der Charakter einer jeden einzelnen Sorte wird in erster Linie durch die Dauer der Lagerung in diesen Kellern geprägt.

In ihrer Aufbewahrung zu Hause sind die Toscani absolut anspruchslos, hätte Bud Spencer sie sonst geraucht? Sie benötigen keinerlei feuchte Lagerung in einem Humidor. Anders als bei Karibik- Produkten hat die trockene TOSCANO ein besseres Brandverhalten, als die feucht gelagerte. Der Geschmack ist so etwas feiner und die Deckblätter sind auch unter 40% rel. Luftfeuchte noch nahezu unverwüstlich. Man setze seine TOSCANI nur keinen starken, fremden Gerüchen über längeren Zeitraum aus, das ist alles. Umgekehrt sollte man allerdings auch starke, fremde Gerüche keiner Toscano aussetzen.

Besorgt kann man sich fragen, wie es angesichts der Regulierungswut und Restriktionen seitens der EU gegenüber Tabakwaren um die Überlebenschance der Toscani bestellt sein mag. Die erste Toscano (für manchen gewiss auch zugleich die letzte) wird man kaum vergessen, zu ungewöhnlich ist der Geschmack dieser echten Aroma- und Nikotinboliden. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass sich ein gewisses "High" einstellt, freilich eins, das rasch in ein "Zuviel-des-Guten" umschlagen kann. Man nähere sich der Toscano also vorsichtig und komme vor allem niemals im Leben auf den Gedanken, den Rauch zu inhalieren! Aber hat man sich erst einmal mit dem sehr ungewöhnlichen Aroma und der Kraft angefreundet, wird man feststellen, dass eine Toscano sich hervorragend zu einem Espresso macht, am besten natürlich unter südlicher Sonne. Und wenn das gerade nicht geht, dann eben hierzulande. Wer wagt, gewinnt. Am besten, man hat für den ersten Versuch dann noch 2 Freunde dabei...

Inzwischen sind noch einige weitere Varianten auf den Markt gekommen, alle im Halbformat und zusätzlich aromatisiert, als da wären:

Kaffeearoma verbindet sich mit wohlriechenden Noten des Kentucky Tabaks

Kentucky Tabak aus Kampanien, mit Anis und Zitrusduft

Kentucky Tabak mit dem weichen Geschmack von Grappa

Quellen & Links

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